Tourismusmobilität

Nachhaltige Mobilitätskonzepte werden zur Pflichtaufgabe im Tourismus. In Zeiten sich ändernder Mobilitätsbedürfnisse und zunehmender Anforderungen an einen nachhaltigen Tourismus kommt der Förderung einer alternativen Mobilität zum Urlaubsziel sowie vor Ort eine wachsende Bedeutung zu. Einige Vorreiter zeigen bereits, wohin der Weg gehen kann – von der kostenlosen Nutzung des ÖPNV und speziellen Ausflugslinien über innovative E-Carsharingsysteme bis hin zu integrierten Konzepten für den „Urlaub ohne Auto".
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    Nachhaltige Mobilitätskonzepte werden zur Pflichtaufgabe

Der Modal Split im Deutschlandtourismus wird in hohem Maße vom Individualverkehr geprägt. Insbesondere in ländlichen Räumen werden mehr als 80 Prozent der Tages- und Übernachtungsreisen mit dem PKW unternommen.

Demgegenüber hat der öffentliche Verkehr nur einen geringen Anteil. Das führt zu erheblichen klimaschädlichen Auswirkungen: Laut einer Studie der UNEP/UNWTO sind etwa drei Viertel der touristisch induzierten CO2-Belastungen allein auf den Verkehr zurückzuführen.

Durch eine nachfragegerechte Attraktivierung des ÖPNV und intelligente Mobilitätskonzepte, die den Zugang zum umweltfreundlicheren öffentlichen Verkehr erleichtern, können dementsprechend Umweltbelastungen reduziert werden.

 

Herausforderung: Attraktiver ÖPNV und „letzte Meile"

Gerade in ländlichen Räumen wird das öffentliche Verkehrsnetz allerdings eher rück- als ausgebaut. Anders als in städtischen Ballungsgebieten ist hier keine Grundauslastung durch die einheimische Bevölkerung gewährleistet. Die öffentlichen Verkehrsmittel stellen bislang daher nur in begrenztem Maße eine Alternative zum Individualverkehr dar. Nur bei entsprechend attraktiven, auf touristische Bedürfnisse ausgerichteten Angeboten kann es zu einer intensiveren touristische Nutzung kommen, die zu einem erweiterten Streckennetz, einer dichteren Taktung und damit auch zu einer höheren Attraktivität für die einheimische Bevölkerung führen.

Eine zentrale Herausforderung für den Erfolg von Mobilitätskonzepten stellt die sog. „letzte Meile" dar, also die Überwindung der verbleibenden Strecke vom regionalen Bahnhof, vom Flughafen, vom Busterminal etc. als „Entry Point" in die Destination bis zum tatsächlichen Reiseziel (z. B. Hotel). Die letzte Meile ist eine zentrale Schnittstelle und spielt für die Verkehrsmittelwahl eine entscheidende Rolle. Wenn die Überwindung der letzten Meile nicht entsprechend der Gästebedürfnisse unkompliziert und sicher gewährleistet werden kann, fällt die Wahl in der Regel auf den Pkw.

 

Erfolgsfaktoren nachhaltiger Mobilitätskonzepte

In diesem Zusammenhang sind attraktive kundenorientierte Angebote für den öffentlichen Verkehr entlang der gesamten Mobilitätskette gefragt. Der öffentliche Verkehr wird sich auch künftig mit dem Individualverkehr messen müssen. Um zu bestehen, muss er attraktiv und komfortabel sein und dabei den hohen Mobilitätsansprüchen einer zunehmend urbanen, multimodalen Gästeklientel gerecht werden.

Zahlreiche Studien kommen daher zu dem Schluss, dass Mobilität in Zukunft – sowohl in den überlasteten städtischen Räumen als auch in den zunehmend gering besiedelten ländlichen Regionen – nur funktioniert, wenn völlig neu gedacht und vernetzt wird. Wichtig ist die Schaffung grundsätzlich vergleichbarer Wettbewerbsbedingungen im Verkehrssektor bei gleichzeitiger Förderung umweltfreundlicher Verkehrsmittel.

Tourismusmobilitaet

 

 

Unsere Referenzen zur Tourismusmobilität

  • dwif: Evaluierung des Mobilitätsverhaltens der Berlinerinnen und Berliner im Freizeit- und  Urlaubsverkehr im Land Brandenburg

    Evaluierung des Mobilitätsverhaltens der Berlinerinnen und Berliner im Freizeit- und Urlaubsverkehr im Land Brandenburg

    Bearbeitungszeitraum: 2014-2015

    Auftraggeber: TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH

    Fest steht: Berlin ist der Hauptquellmarkt für das Reiseland Brandenburg. Nur, wie reisen Berliner nach Brandenburg? Welche Verkehrsmittel nutzen Sie? Und wie können noch mehr Hauptstädter für den Umstieg auf umweltfreundliche Verkehrsmittel im Rahmen eines Ausfluges nach Brandenburg gewonnen werden? Diesen und vielen weiteren Fragen rund um das Ausflugs- und Mobilitätsverhalten der Berliner Bevölkerung ins Nachbarbundesland widmete sich das dwif in einer Studie im Auftrag der Tourismus Marketing Brandenburg GmbH gemeinsam mit dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg und den brandenburgischen Industrie- und Handelskammern.

  • Nachhaltige Mobilitätskonzepte für Touristen im öffentlichen Verkehr mit Fokus auf Regionen im Bereich von Großschutzgebieten

    Bearbeitungszeitraum: 2014-2016

    Forschungsprojekt des dwif e. V.

    Projektförderung: Deutsche Bahn Stiftung

    Der Modal Split im Deutschlandtourismus wird in hohem Maße vom Individualverkehr geprägt. Diese starke Fokussierung verursacht beachtenswerte CO2-Emissionen, was gerade für sensible Naturregionen wie National- und Naturparks sowie Biosphärenreservate problematisch ist. Vor diesem Hintergrund erstellte der dwif e.V. mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Bahn Stiftung eine Studie, die aufzeigen soll, welche Organisations- und Finanzierungsmodelle die Entwicklung des öffentlichen Verkehrs in den Reisezielen fördern bzw. hemmen.

  • Workshop zum Thema "Nachhaltige Mobilität" im Rahmen der Netzwerkarbeit NATUR-SCHAU-SPIEL

    Bearbeitungszeitraum: 2015

    Auftraggeber: pro agro e.V.

    Das dwif wurde beauftragt, mit den Besucherinformationszentren der Nationalen Landschaften Brandenburgs (BIZ), die im Netzwerk NATUR-SCHAU-SPIEL zusammenarbeiten, einen Workshop zum Thema Nachhaltige Mobilität durchzuführen. Ziel war die Erarbeitung von möglichen Maßnahmen zur Verbesserung der Erreichbarkeit der Besucherinformationszentren sowie der Mobilitätssituation vor Ort.