Relevante Stakeholdergruppen für die Tourismus- & Regionalentwicklung

Der Tourismus hat aufgrund seines Querschnittscharakters viele unterschiedliche Stakeholder*innen in einer Destination. Für das Tourismus- & Regionalmanagement nach innen stehen dabei drei Gruppen mit unterschiedlichen Ansprüchen im Fokus: Bevölkerung, Leistungsträger*innen sowie Politik. Um das Bewusstsein für die positiven Effekte von Tourismus und Freizeit zu stärken, müssen sie spezifisch angesprochen werden.

dwif Zahl der Woche: Relevante Stakeholdergruppen für die Tourismus- & Regionalentwicklung (Bild: freepik)

 

Den Blick nach innen nicht vernachlässigen

Der Tourismus in einer Destination ist als Querschnittsbranche ein überaus komplexes System, das aus einer Vielzahl von Stakeholder*innen mit unterschiedlichen Ansprüchen, Wissensständen und Berührungspunkten zum Tourismus besteht. Angesichts dieser Struktur ist es nicht einfach, bei den wichtigsten Zielgruppen vor Ort mit ihren individuellen Perspektiven ein Bewusstsein für den Tourismus, seine Effekte und Belange zu schaffen und zu verstetigen.

Diese Bemühungen dienen letztlich insbesondere auch dem Gast: Um diesem eine hohe Qualität und ein einmaliges Erlebnis entlang der gesamten Servicekette bieten zu können, gilt es viele Akteur*innen mitzunehmen und zu begeistern.

Das breite Bewusstsein für die positiven Effekte des Tourismus hängt stark von der Stimmung unter den am Tourismusgeschehen Beteiligten ab. Im Fokus stehen dabei insbesondere die Bevölkerung, die Leistungsträger*innen sowie die Politik. Rationale Argumente sind hilfreich, reichen jedoch allein vielfach nicht mehr aus, da die Wahrnehmung der touristischen Entwicklung vor Ort immer häufiger emotional geprägt ist.

 

Worauf kommt es in der Kommunikation mit den Stakeholder*innen an?

# Bevölkerung: Freizeitwert und Lebensqualität durch Tourismus erhöhen

ZDW dwif Regionalentwicklung Tourismus IZu einem tourismus- und gastfreundlichen Umfeld trägt die einheimische Bevölkerung entscheidend bei, die damit eine Grundvoraussetzung für die Gästezufriedenheit schafft. Es kommt entsprechend darauf an, gerade dieser Zielgruppe die Bedeutung des Tourismus für ihr Wohnumfeld nahezubringen.

Denn mit dem Ausbau und der Pflege der Freizeitinfrastruktur und einem überdurchschnittlichen Gastronomie-, Kultur- und Shoppingangebot steigern Tourismus- und Freizeitwirtschaft nicht zuletzt die Lebensqualität der einheimischen Bevölkerung. Neben diesen konkreten Vorteilen geht es für die Einheimischen um die Stärkung der regionalen Identität und eine Beteiligung an der touristischen Entwicklung.

# Leistungsträger*innen: gezielt informieren und Vernetzung ermöglichen

ZDW dwif Regionalentwicklung Tourismus IIDie touristischen Leistungsträger*innen leisten idealerweise einen wesentlichen Beitrag zu einer hohen Angebots- und Servicequalität und zeigen den Gästen, dass sie willkommen sind. Somit hängt von ihrem Tourismusbewusstsein auch die Zufriedenheit und Wiederbesuchsbereitschaft der Tourist*innen ab.

Zu den relevanten Akteur*innen zählen nicht nur die Tourismusorganisationen und Tourismusunternehmen (z. B. Unterkünfte, Gastronomiebetriebe und Freizeiteinrichtungen), sondern auch weitere Betriebe, die ebenfalls mit dem Tourismus in Berührung kommen (z. B. Einzelhandel, Verkehrsunternehmen, Handwerksbetriebe). Je weiter diese Betriebe nach eigener Einschätzung vom Tourismus entfernt sind, desto geringer ist auch ihre Wahrnehmung der positiven touristischen Effekte.

Wichtig ist es daher, diese Betriebe gezielt über den Nutzen des Tourismus auch für ihr eigenes Geschäft zu informieren sowie Austausch- und Vernetzungsangebote zu schaffen.

# Politik: Austausch sicherstellen und Multiplikator*innen gewinnen

ZDW dwif Regionalentwicklung Tourismus IIIDas Verhältnis zwischen Politik und Tourismus ist häufig ambivalent. Auf der einen Seite nutzen politische Akteur*innen touristische Projekte und Erfolgsmeldungen gern für ihre Öffentlichkeitsarbeit. Auf der anderen Seite fühlen sich Touristiker*innen in ihrer Rolle und ökonomischen Bedeutung für den Ort oder die Region nicht selten unterschätzt.

Dabei ist es vor allem die Politik, die wichtige tourismusrelevante Entscheidungen mitbestimmt und damit Entwicklungen entweder aktiv vorantreiben oder auch hemmen kann. Ein umfassender Austausch zwischen Politik und Tourismus ist für die Tourismusentwicklung somit von hoher Relevanz. Dabei geht es insbesondere um ein Sensibilisieren, Aufklären und das Gewinnen von Multiplikator*innen als Botschafter*innen für den Tourismus.

 

Messung & Kommunikation positiver Effekte

Unabhängig von der jeweiligen Stakeholdergruppe und der auf sie abgestimmten Kommunikation ist der übergeordnete Anspruch gleich: Es geht darum, mehr Wertschätzung, Akzeptanz und Anerkennung für die Bedeutung und Belange der Tourismusbranche als Motor für die Wirtschafts- und Regionalentwicklung zu schaffen.

Die positive Regionalentwicklung durch Freizeit und Tourismus lässt sich nur dann aktiv steuern, wenn Erfolge und auch unerwünschte Abweichungen messbar sind. Auch für die Kommunikation der positiven Effekte sind verlässliche Daten unbedingt erforderlich.

Dabei unterstützen vor allem die ökonomischen Kennzahlen, denn der Tourismus- und Freizeitsektor beschert Kommunen neben Einkommen und Arbeitsplätzen wichtige Steuereinnahmen. Es gilt jedoch, die Perspektive zu erweitern und die darüberhinausgehenden Beiträge des Tourismus zur Regionalentwicklung aufzuzeigen.

Ausgehend vom Wirkungsmodell des touristischen Nutzenbaumes lässt sich ein erweitertes Mess- und Zielsystem entwickeln, um die positiven Effekte des Freizeit- und Tourismussektors in ihrer Breite sichtbar zu machen. Die Aussagekraft, die Datenverfügbarkeit sowie der Raumbezug sind je nach Region unterschiedlich und lassen sich daher nur im Rahmen von vertieften Analysen auf Ortsebene bewerten.

 dwif Nutzenbaum Freizeit Tourismus

 

Qualitative Wirkungen vermehrt berücksichtigen

Neben den konventionellen quantitativen Tourismuszielen wie der Steigerung der Übernachtungen und Besucher*innenzahlen sollten daher vermehrt auch messbare Ziele für qualitative Wirkungen berücksichtigt werden.

Ökonomische Kennziffern lassen sich zudem stärker in qualitative Zusammenhänge bringen, beispielsweise durch die Bewertung der Auslastung von Betrieben, den Ersatz von niedrigpreisigen durch höherpreisige Kapazitäten, wachsende Betriebsgrößen etc.

Auch die in touristischen Orten vielfach überdurchschnittliche Ausstattung mit Infrastruktur, Veranstaltungen, ÖPNV sowie der Zusammenhang mit dem Freizeitwert und der Lebensqualität vor Ort sind immer wieder zu betonen. Und schließlich entfalten die Ausgaben der Gäste in anderen Branchen wie Einzelhandel, Dienstleistungen, ÖPNV, Kultureinrichtungen und Freizeitattraktionen eine stabilisierende Wirkung, die nicht zuletzt den Einheimischen zugutekommt.

 

Negative Begleiterscheinungen identifizieren und reduzieren

Trotz der vielfältigen positiven Effekte können ein als zu stark empfundenes Tourismuswachstum oder eine hohe räumliche oder zeitliche Ballung des touristischen Aufkommens auch negative Begleiterscheinungen hervorrufen.

National und international lässt sich sowohl in attraktiven Großstädten als auch an den Küsten und weiteren touristischen Hotspots beobachten, dass der Tourismus vor Ort vermehrt auf Akzeptanzprobleme stößt. Parkplatzengpässe oder Staus gehören ebenso zu diesen möglichen Effekten wie Lärm, Verschmutzungen, Preissteigerungen und die Verknappung von Baugrund oder Verdrängungseffekte in Wohngebieten.

Ob subjektiv empfunden oder objektiv nachweisbar: Es gilt, die Wahrnehmung des Tourismus in den Destinationen zu kennen, ernst zu nehmen, Veränderungen zu messen und proaktiv gegenzusteuern, um die Akzeptanz und das Tourismusbewusstsein nicht zu schwächen. Repräsentative Bevölkerungsbefragungen zeigen das aktuelle Stimmungsbild und lassen bei regelmäßiger Durchführung Abweichungen zeitnah erkennen.

 

Schätze heben – Indikatoren für die Messung einer integrierten Tourismus- & Regionalentwicklung

Indikatoren Tourismus Regionalentwicklung dwif TeaserWie kann der Beitrag des Tourismus für eine positive Regionalentwicklung differenziert herausgestellt werden? In unserem Praxistipp schauen wir über den Tellerrand und definieren Indikatoren für die Messung einer integrierten Tourismus- und Regionalentwicklung.

Hier geht's zum Praxistipp!

KONTAKT

München

Sonnenstraße 27
80331 München
Tel +49 (0)89 - 237 028 90
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Berlin

Marienstraße 19-20
10117 Berlin
Tel +49 (0)30 - 757 94 90
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Diese Website nutzt Cookies für die Authentifizierung, Navigation und weitere Funktionen

Mit der weiteren Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr Informationen zu Cookies und deren Handhabung finden Sie in der Datenschutzerklärung

Ich habe verstanden