Nachhaltigkeit glaubwürdig im Tourismus kommunizieren: NRW-Praxistools
Nachhaltigkeit ist im Tourismus längst mehr als ein strategisches Ziel. Sie muss in Produkten, Prozessen und Kommunikation konkret werden – und zwar so, dass sie für Betriebe, Destinationen, Partnerorganisationen und Gäste nachvollziehbar bleibt. Die ab September 2026 auch in Deutschland in Kraft tretende EmpCo-Richtlinie der EU definiert klare Anforderungen an Nachhaltigkeitskommunikation. Genau hier setzt die Nachhaltigkeitswerkstatt.NRW an.

Im Rahmen des Projekts „Umsetzung der B2B-Nachhaltigkeitskommunikation“ durften wir Tourismus NRW seit April 2025 gemeinsam mit den Partnern TourComm und Magenta4 begleiten. Ziel war es, die Projektpartnerorganisationen im NRW-Tourismus einerseits zur Umsetzung von Nachhaltigkeit zu motivieren und sie andererseits zu befähigen, Wissen, Orientierung und konkrete Hilfestellungen in ihre Netzwerke und Kontaktpunkte bis hin zum Gast weiterzugeben.
Nach intensiven Monaten mit nachhaltigen Produktentwicklungswerkstätten, E-Learning-Angeboten, einem digitalen Förderwegweiser und konkreten Kommunikationsmaterialien befindet sich der Prozess nun im Zieleinlauf. Entstanden sind praxisnahe Tools, die Nachhaltigkeit im NRW-Tourismus nicht nur erklären, sondern für die Branche anwendbar machen.
Produktentwicklungsworkshops: Vom Wissen zur Anwendung
Der Prozess startete im April 2025 mit individuell konzipierten nachhaltigen Produktentwicklungswerkstätten mit den DMOs in Nordrhein-Westfalen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie bestehende Produktentwicklungsprozesse vertieft und neue Produkte mit einer konkret nachhaltigen Ausrichtung entwickelt werden können. Mit Kreativmethoden wie Personaentwicklung, Brainwriting, Storytelling und Prototyping entstanden für nahezu alle Partner-DMOs Produktkonzepte, die mit einem nachhaltigen Narrativ unterlegt wurden. Von den Premium-Fußwegen Aachen mit dem Audioguide über Calm & Cool Cologne bis zu All Inclusix im barrierefreien Xanten stehen künftig innovative prototypische Produktansätze für ein nachhaltiges Reiseland NRW bereit. Sie sollen mit einer Kommunikationskampagne Sichtbarkeit im Markt erreichen.
Diese Werkstätten haben zugleich gezeigt, wie wichtig der direkte Austausch mit den Destinationspartner*innen und Leistungsträger*innen ist. Denn glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation entsteht nicht am Reißbrett, sondern dort, wo regionale Besonderheiten, betriebliche Realitäten und konkrete Gästebedürfnisse zusammengedacht werden.
Tools für mehr Orientierung und Umsetzung
Ein zentraler Anspruch des Projekts war es, nicht bei allgemeinen Empfehlungen stehenzubleiben. Gemeinsam mit Tourismus NRW und dem Team der Nachhaltigkeitswerkstatt.NRW sollten ganzheitliche Tools entstehen, die den Stakeholdern im NRW-Tourismus inhaltlichen Überblick bieten und zugleich praxisorientierte Leitfäden sind.
Ein Förderwegweiser Nachhaltigkeit unterstützt mit Jahresbeginn touristische Akteur*innen in Nordrhein-Westfalen dabei, passende Förderprogramme für nachhaltige Projekte schneller und unkomplizierter zu finden. Nach Beantwortung weniger Fragen erhalten Nutzende innerhalb kurzer Zeit eine individuelle Übersicht relevanter Fördermöglichkeiten aus einem Pool von über 100 Förderprogrammen. Die Nutzung ist unverbindlich und anonym und soll den Zugang zu finanzieller Unterstützung für Nachhaltigkeitsmaßnahmen erleichtern.
Ergänzend dazu vermitteln die E-Learning-Videos Nachhaltigkeit praxisorientiertes Wissen von guten Argumenten und den Vorteilen der Barrierefreiheit über nachhaltige Produktentwicklung bis hin zu Zertifizierungen und Kommunikation. Sie sollen Betriebe und Destinationen motivieren, mit ersten Schritten bei Nachhaltigkeit einzusteigen und unverbindlich in wichtige Nachhaltigkeitsthemen hineinzuschnuppern.
Die Toolbox für Nachhaltigkeitskommunikation bietet touristischen Betrieben und Destinationen konkrete Hilfestellungen für eine glaubwürdige und an den Anforderungen der EmpCo-Richtlinie orientierten Kommunikation ihrer Nachhaltigkeitsaktivitäten. Gerade bei Nachhaltigkeit entscheidet die Art der Kommunikation darüber, ob Botschaften Vertrauen schaffen oder Skepsis auslösen. Nachhaltigkeit gilt es nicht zu überhöhen, sondern transparent, nachvollziehbar und konkret zu vermitteln. Gemeinsam mit Leitfäden, Checklisten, Praxisbeispielen, Storytelling-Vorlagen und Empfehlungen für eine transparente Kommunikation dienen sie dem Wissenstransfer und der Qualifizierung der Branche. Besonders praxisnah ist die Differenzierung nach Branchenbedürfnissen. So wurden unter anderem Kommunikationsbeispiele für Gastronomie, Beherbergung, Freizeit/Kultur und Tourist-Informationen erarbeitet. Auch konkrete Textbausteine für Website und Social Media – bis hin zur passenden Emoji-Auswahl – unterstützen die Partnerorganisationen dabei, Nachhaltigkeit verständlich und anschlussfähig zu kommunizieren.
"Im EFRE-Projekt Nachhaltigkeitswerkstatt.NRW haben wir gemeinsam die Grundlagen für eine glaubwürdige und zielgerichtete Nachhaltigkeitskommunikation erarbeitet. Die Ergebnisse nutzen wir insbesondere, um unsere B2B-Kommunikation strategisch weiterzuentwickeln und Nachhaltigkeit gegenüber unseren Geschäftspartnern transparent und nachvollziehbar zu vermitteln. Wir haben gemeinsam viele Workshops mit unseren Partnern durchgeführt zur Entwicklung nachhaltiger Leuchtturmangebote – da waren wir sehr kreativ und haben hervorragende Use Cases entwickelt.
Besonders wertvoll war dabei die offene und partnerschaftliche Zusammenarbeit – mit vielen guten Impulsen, einem konstruktiven Austausch und einem gemeinsamen Blick auf praktikable Lösungen.“
Nina Dahlhaus
Gesamtprojektleiterin Nachhaltigkeitswerkstatt.NRW
Glaubwürdige Kommunikation braucht konkrete Inhalte
Ziel ist es, Greenwashing zu vermeiden und Akteur*innen dabei zu unterstützen, ihre Nachhaltigkeitsleistungen nachvollziehbar, authentisch und zielgruppengerecht darzustellen. Glaubwürdige Kommunikation bedeutet, vorhandene Aktivitäten sichtbar zu machen, Grenzen offen zu benennen und Zielgruppen nicht mit abstrakten Begriffen allein zu lassen. Sie braucht konkrete Beispiele, verständliche Sprache und eine klare Verbindung zwischen Maßnahmen und Wirkung. Genau dafür wurden die Tools entwickelt: Sie sollen touristischen Akteur*innen helfen, Nachhaltigkeit differenziert zu erklären und gleichzeitig im Arbeitsalltag handhabbar zu machen.
Die Vielzahl der erarbeiteten Bausteine zeigt, wie breit Nachhaltigkeit im Tourismus gedacht werden muss: von Produktentwicklung über Qualifizierung und Förderung bis hin zur Kommunikation gegenüber Partner*innen, Betrieben und Gästen.
Intensiver Prozess mit Tourismus NRW, dem Team der Nachhaltigkeitswerkstatt.NRW, TourComm und Magenta4 mit konstruktivem Arbeiten auf Augenhöhe.
Wir bedanken uns für den offenen und vertrauensvollen Austausch mit dem Team der Nachhaltigkeitswerkstatt.NRW sowie unseren Projektpartnern TourComm und Magenta4. Der Prozess hat gezeigt, wie groß der gemeinsame Wille ist, Nachhaltigkeit im NRW-Tourismus praxisnah weiterzuentwickeln. Wir blicken gespannt auf die nächsten Schritte und darauf, wie die entstandenen Tools in der Branche genutzt und weitergetragen werden.
Nachhaltigkeit als zentrale Zukunftsaufgabe
Uns als dwif ist es wichtig, Nachhaltigkeit ganzheitlich zu betrachten und individuell passfähige Lösungen zu finden. Mit praxisnahen Methoden, fundierten Analysen und konkreten Werkzeugen unterstützen wir Destinationen und touristische Organisationen dabei, nachhaltige Entwicklung strategisch zu verankern und glaubwürdig zu kommunizieren.
Nordrhein-Westfalen hat im Einklang mit dem Green Deal der Europäischen Union eine klare Zielsetzung formuliert: Klimaneutralität bis 2045. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen alle Wirtschaftszweige ihren Beitrag leisten und sich weiterentwickeln. Auch die nordrhein-westfälische Tourismusbranche ist gefordert, den Weg zu einem nachhaltigen Tourismus konsequent weiterzugehen.
Die Nachhaltigkeitswerkstatt.NRW nimmt sich dieser Aufgaben an. Sie leistet einen Beitrag dazu, Nachhaltigkeit als zentrale Zukunftsaufgabe für den NRW-Tourismus operationalisierbar zu machen – also in konkrete Handlungsansätze, strategische Leitlinien und praktische Unterstützungsangebote zu übersetzen.
CO2-Fußabdruck
Wir berechnen den CO2-Fußabdruck Ihrer Destination auf Basis individueller Daten.
Damit schaffen Sie eine fundierte Grundlage für die nachhaltige Entwicklung Ihrer Destination und liefern Ihren Partner*innen einen Beleg für Ihr nachhaltiges Handeln – transparent, verständlich und gut kommunizierbar.





