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Halbjahresbilanz: 105 Mio. weniger Übernachtungen im Deutschland-Tourismus zwischen Januar & Juni 2020

Montag, 31. August 2020

Die Halbjahreszahlen vom Statistischen Bundesamt für das erste Halbjahr 2020 sind da. Und sie zeigen schwarz auf weiß, wie sehr der Deutschland-Tourismus unter der Corona-Pandemie in den letzten Monaten gelitten hat und vor welchen Herausforderungen die Branche auch in den kommenden Monaten stehen wird. In einigen Regionen zeichnet sich im Juni jedoch ein leichtes Aufatmen ab.

dwif: Halbjahresbilanz zeigt 105 Mio. weniger Übernachtungen im Deutschland-Tourismus zwischen Januar und Juni 2020 (Bild: freepik)
Die stärksten Rückgänge verzeichneten die Stadtstaaten Berlin und Hamburg.

Corona-Pandemie bremst Deutschland-Tourismus

Nach vielen erfolgsverwöhnten Jahren wird der Deutschland-Tourismus 2020 durch die Corona-Pandemie stark eingebremst. Im ersten Halbjahr 2020 wurden 117,3 Mio. Übernachtungen zwischen den Küsten und den Alpen verzeichnet. Damit ist die Übernachtungsnachfrage um 47,2 Prozent eingebrochen. Allein in den gewerblichen Betrieben fanden 105 Mio. weniger Übernachtungen statt als im ersten Halbjahr 2019.

Die stärksten Rückgänge verzeichneten die Stadtstaaten Berlin (-59,5 Prozent) und Hamburg (-55,5 Prozent). Die Küstenbundesländer Schleswig-Holstein (-37,9 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (-41,5 Prozent) weisen aufgrund relativ geringer Verluste im Juni die geringsten Einbrüche auf. Erste Branchenberichte für den Monat Juli bestätigen diesen Trend in der Haupturlaubsreisezeit.

 

dwif: Übernachtungsentwicklung 1. Halbjahr 2020 ggü Vorjahr

 

Grenzschließung: Internationaler Tourismus phasenweise unmöglich

Die Übernachtungsnachfrage aus dem Ausland ist im ersten Halbjahr mit -60,6 Prozent deutlich stärker eingebrochen als aus dem Inland (-44,3 Prozent). Durch die schrittweise Schließung der Grenzen ab Mitte März war auch Urlaub ausländischer Gäste in Deutschland unmöglich. Außerdem kam der internationale Geschäftsreiseverkehr nahezu zum Erliegen.

Erst ab Mitte Juni waren zumindest Urlaubsreisen aus der EU und einigen anderen Ländern nach Deutschland wieder möglich, viele Geschäftsreisen hingegen finden immer noch über Videokonferenzen statt. Besonders starke Rückgänge von über 60 Prozent gab es daher im ersten Halbjahr aus den Fernmärkten Nordamerika und Asien. Aber auch bei den in Europa stark vom Coronavirus betroffenen Ländern Großbritannien, Spanien, Italien und Frankreich waren die Einbrüche überdurchschnittlich. Bei vielen osteuropäischen Staaten hingegen, die viele Saisonarbeitskräfte und Monteure stellen, waren die Rückgänge mit -30 bis -40 Prozent deutlich moderater.

Die Ausweisung von Risikogebieten und Reisewarnungen für bestimmte Länder und Regionen insbesondere mit den erneut zunehmenden Infektionszahlen im August zeigen aber, wie labil die Situation ist.

 

Langsame Erholung für die Küsten, Seen & Bergregionen, Einbrüche in den Städten

Während das Zugpferd der letzten Jahre – der Städtetourismus – auch im Juni weiterhin mit starken Einbrüchen zu kämpfen hatte (-69,4 Prozent), zeichnete sich an den Küsten mit Beginn der Urlaubssaison langsam Erholung ab. Die Übernachtungszahlen im Juni erreichten an Nord- und Ostsee im Juni wieder knapp 90 Prozent ihres Vorjahresniveaus. Und auch in den Berg- und Seenregionen übernachteten zumindest wieder drei Viertel der Gäste des Vorjahres. Bilder von vollen und teilweise gesperrten Küstenorten und Stränden sowie gut besuchten Berggipfeln bestätigen, dass die Urlaubsregionen am Wasser und in den Alpen von Tages- und Übernachtungsgästen wieder gut frequentiert wurden. In den Mittelgebirgsregionen hingegen lief der Tourismus eher schleppend an. Die Verluste im Juni beliefen sich deutschlandweit immer noch auf -43,6 Prozent.
Einige Orte und Destinationen erwarten für die Monate Juli und August hingegen sogar bessere Zahlen als noch 2019. Allerdings sind diese Entwicklungen lokal sehr unterschiedlich und hängen auch von den Angebotsstrukturen vor Ort ab.

 

Autarke Unterkunftsformen weiter auf dem Vormarsch

Bereits in den letzten Jahren haben Unterkunftsarten, die für Flexibilität und Unabhängigkeit stehen, großen Zulauf erhalten. Durch die Corona-Pandemie sind diese weiter auf dem Vormarsch. Ferienhäuser und -wohnungen erreichten im Juni nahezu das Vorjahresniveau (-1,5 Prozent). Und auch auf den Campingplätzen hielten sich die Verluste im Juni im Vergleich zu anderen Unterkunftsformen in Grenzen (-9,3 Prozent) und sind eher mit Kapazitätsgrenzen aufgrund von Restriktionen zu begründen als mit mangelnder Nachfrage. In der Hotellerie wurden im Juni nur rund die Hälfte der Übernachtungen des Vorjahreszeitraums erreicht. Ganz deutlich wird der Wunsch nach autarkem Reisen auch an den Neuzulassungszahlen von Reisemobilen. Bis Ende Juli 2020 wurden rund 50.000 Reisemobile und damit rund 10.000 mehr als im Vorjahrszeitraum zugelassen. Quelle

 

Tourismusorganisationen mehr denn je gefordert

In den nächsten Monaten sind die Tourismusorganisationen mehr denn je gefordert, potenziellen Gästen zu zeigen, dass ihr Ort und ihre Region auch trotz Corona eine Reise wert sind. Das sorgt dafür, dass landauf landab Nach-Corona-Kommunikationskampagnen aus dem Boden schießen und die DMO ihre Ressourcen sehr stark in das Marketing und die Akquisition von (Neu-)Kund*innen investieren. Auf der anderen Seite erweitert sich die Aufgabenpalette immer mehr in Richtung Managementaufgaben wie beispielsweise die professionelle Gästelenkung. [Mehr dazu erfahren Sie in unserer kostenfreien Online-Reihe] Fakt ist aber auch, das man längst noch nicht von einer Nach-Corona-Phase sprechen kann, denn wir befinden uns noch mitten in der Pandemie. Es gilt also Lösungen mit Corona zu entwickeln und entsprechende Angebote zu schaffen.

Von der Gästelenkung bis zu Zukunftsthemen wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit rutschen nun Aufgaben auf der To-Do-Liste nach oben, über die bereits in den letzten Jahren viel diskutiert wurde. Zudem kommen neue Baustellen wie das Hygienemanagement hinzu. Hier ist mehr denn je Agilität gefragt. Denn spätestens jetzt gibt es keine Ausreden mehr: Die Krise schafft die Notwendigkeit, aber auch die Chance, agiles Arbeiten ausprobieren zu müssen. Corona ist VUKA im Schnelldurchlauf [Mehr zu VUKA lesen Sie hier]. Und so offenbart die aktuelle Situation auch, welche Tourismusorganisation sich beim „Umbau“ zur DMO der Zukunft schon erfolgreich auf den Weg gemacht hat.

Allerdings befinden sich viele Organisationen aufgrund der anwachsenden Aufgabenpalette in einer Zwickmühle. Denn um beides – Management UND Marketing – gut erfüllen zu können, bräuchten sie gerade jetzt mehr Ressourcen, geraten aber in eine Phase der immer knapperen kommunalen Kassen. Corona gleicht einer kommunalen Vollbremsung: Haushaltssperren sind an der Tagesordnung, sämtliche Ausgaben und Investitionen stehen auf dem Prüfstand.

Dabei läuft vor allem die freiwillige Aufgabe Tourismus Gefahr, ins Sparprogramm zu geraten. Die angespannte Situation der Kommunen erfordert daher auch ein neues Aushandeln der Erwartungen an die DMO sowie die Suche nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten. Kooperationen und Zusammenschlüsse zu wettbewerbsfähigen und zukunftsfähig ausgestatteten Einheiten erhalten jetzt neuen Schub.

 


 

UPDATE* dwif-MindMap 2.0: Post-Lockdown

dwif Corona MindMap 2.0 QuadratUnsere Anfang April 2020 veröffentlichte MindMap 1.0 hat in der Branche viel Anklang gefunden. Uns erreichten zahlreiche Anregungen und Impulse aus verschiedenen Regionen, die uns zu einer Neuauflage der dwif-Corona-MindMap 2.0 inspiriert haben. Die nun beginnende Restart-Phase ist genau der richtige Anlass, die Aufgabenschwerpunkte von DMOs in Zeiten von und nach Corona neu zu justieren.

Weiter zur dwif-Corona-MindMap 2.0

 

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