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Fachkräftemangel im Tourismus durch Corona-Krise massiv verschärft

Freitag, 23. Juli 2021

Die Zahlen sind besorgniserregend: Bundesweit wollen 34 Prozent der gastgewerblichen Betriebe in diesem Jahr nicht mehr ausbilden. Weitere 11 Prozent planen die Zahl ihrer Ausbildungsplätze zu reduzieren. Als wäre das nicht schon schlimm genug, ist das Gastgewerbe auch noch stark von Abwanderung in andere Branchen betroffen. Die Folge: ein sich deutlich verschärfender Fachkräftemangel. Was es jetzt zu tun gilt.

dwif: Fachkräftemangel im Tourismus durch Corona-Krise massiv verschärft (Bild: freepik)
Was es jetzt zu tun gilt.

Unsere Befragung im Rahmen des diesjährigen Sparkassen-Tourismusbarometers zeigt eindrücklich, dass in den nächsten Jahren deutlich weniger Fachkräfte ausgebildet werden. Deutschlandweit will mehr als jeder dritte Betrieb seine Ausbildungstätigkeit komplett aufgeben, mehr als jeder zehnte Betrieb reduziert sie. Insbesondere in Brandenburg und Sachsen-Anhalt wollen oder können überdurchschnittlich viele Betriebe nicht mehr ausbilden.

Immerhin: 12 Prozent der befragten Betriebe wollen ab diesem Sommer mehr Ausbildungsplätze schaffen.

 

Gastgewerbe wird als Arbeitgeber zunehmend unattraktiv

Doch das wird nicht reichen, denn die Zahl der Ausbildungsverhältnisse im Gastgewerbe ist ohnehin schon seit 2007 rückläufig. 2020 wurden nur gut 17.000 neue Ausbildungsverträge geschlossen – gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang um fast ein Viertel (Quelle). Branchenübergreifend liegt das Minus bei etwa 9 Prozent, auch das bereits ein in seiner Höhe einzigartiger Einbruch (Quelle).

Auch die Zahl der bestehenden Ausbildungsverhältnisse ist im Pandemiejahr gegenüber 2019 gesunken, durchschnittlich um etwa 11 Prozent. Besonders betroffen waren die Berufe Hotelkauffrau/-mann und Hotelfachfrau/-mann, hier lagen die Rückgänge bei 16 bzw. 14 Prozent (Quelle: DIHK, DEHOGA).

Hier zeigt sich klar das sinkende Interesse der Schüler*innen. Aber auch das Angebot an Ausbildungsstellen geht zurück. Die Zahl der gemeldeten Stellen ging 2020 gegenüber 2019 um 13 Prozent zurück, während der Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen auf 21 Prozent anstieg.

 

Ausbildung ist das eine Problem – Abwanderung das andere

Doch nicht nur der fehlende Nachwuchs stellt das Gastgewerbe vor Herausforderungen. Dank des Kurzarbeitergeldes konnten im letzten Jahr viele Arbeitsplätze gesichert werden. Im Juni 2021 waren noch immer 331.000 Beschäftigte aus dem Gastgewerbe in Kurzarbeit, Tendenz sinkend. Dennoch machen diese Beschäftigten knapp ein Drittel aller im Gastgewerbe Beschäftigten aus.

Aber nicht für alle war Kurzarbeitergeld die Rettung. Vor allem, aber nicht nur, sind beispielsweise Minijobber*innen und studentische Aushilfen entlassen worden. Bei der Befragung zum Sparkassen-Tourismusbarometer gaben im 1. Quartal 2021 knapp 26 Prozent der Betriebe an, dass sie Mitarbeitende entlassen mussten.

Schon im Sommer 2020 (Stichmonat Juni) war die Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter um über 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gesunken. Bis April 2021 ist der Rückgang weiter angewachsen auf ein Minus von jetzt rund 8 Prozent. Damit ist das Gastgewerbe im Branchenvergleich der größte Verlierer. Die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten ist sogar um fast ein Fünftel (Juni 2020 ggü. Juni 2019, aktuelle Zahlen gegen Jahresende verfügbar) geschrumpft.

 

dwif Corona Gastgewerbe Fachkraeftemangel

 

Als wären diese Entwicklungen allein nicht schon schlimm genug für die Tourismusbranche, hat die Krise außerdem dazu geführt, dass viele Mitarbeitende dem Gastgewerbe dauerhaft den Rücken gekehrt haben. Sechs von zehn Betrieben haben das bereits Anfang des Jahres gespürt oder erwartet.

Zu demselben Ergebnis kommt zuletzt auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Die Branchen, die davon profitieren, sind laut Ingrid Hartes vom DEHOGA vor allem Logistik und Einzelhandel, die während der Pandemie als krisensicherer und systemrelevant wahrgenommen wurden. In der Folge bleiben nun, wo endlich geöffnet werden darf, einige Türen – zumindest zeitweise – geschlossen.

 

Was tun, wenn Arbeitskräfte fehlen?

Dass diese Arbeitskräfte ins Gastgewerbe zurückkommen, ist eher unwahrscheinlich. Die Branche muss dringend ihr Image verbessern und an Attraktivität gewinnen, um den Kampf um Fach- und Arbeitskräfte nicht zu verlieren. Dazu gehören beispielsweise attraktive Ausbildungsinhalte, höhere Gehälter, flexible Arbeitszeitmodelle, Karrierewege und Entwicklungschancen. Gerade auf dem Ausbildungsmarkt sind kreative Lösungen gefragt wie bspw. (Quelle)

(1) mehrtägige Dampferfahrten für Schüler*innen, ein Projekt des DEHOGA Sachsen, das es schon seit mehreren Jahren gibt
(2) „Gastro Burner - Fang Feuer und check ein“, Kampagne des DEHOGA Mecklenburg-Vorpommern

Zukünftig muss ein stärkerer Fokus auf Mitarbeiter*innenbindung liegen. Bereits letztes Jahr entstand im Sparkassen-Tourismusbarometer Ostdeutschland 2020 (Schwerpunkt Agilität & New Work) im Kontext „neuer Arbeitswelten“ die Mitarbeiter*innen-Journey.

 

Mitarbeiter*innen-Journey

Ein veränderter Blick auf die Menschen in den Gastronomie- und Beherbergungsbetrieben ist mitunter schon ein wesentlicher Teil der Lösung. In Zeiten „neuer Arbeitswelten“ rücken intrinsische Motivationsfaktoren wie etwa Wertschätzung und die Beachtung der Mitarbeiter*innen-Journey stärker in den Vordergrund. Vom Image des Unternehmens bis zum innerbetrieblichen Miteinander: Ähnlich wie Kund*innen auf ihrer Reise („Customer-Journey“), so durchlaufen auch Mitarbeiter*innen vor, während und nach ihrer Tätigkeit in einem Unternehmen mehrere Phasen und sollten in jeder adäquat begleitet werden.

dwif-Mitarbeiter*innen-Journey

 

Fokus Mitarbeiter*innenbindung

Mittel- und langfristig ist es wichtig, Schritte einzuleiten, die dazu führen, dass sich die Mitarbeitenden wohlfühlen, mit dem Unternehmen identifizieren und sich als Teil des Teams verstehen. Dabei helfen zum Beispiel Feedback- und Entwicklungsgespräche, Betriebsausflüge, Flexibilität bei Arbeitszeit und -ort (sofern möglich – bspw. im Backoffice) und Weiterbildungsmöglichkeiten. Sind die Mitarbeitenden glücklich, ist es auch einfacher, neue Fachkräfte zu gewinnen.

 


 

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