Prinzipien für (nachhaltige) Mobilität und Tourismus

Die Themen Mobilität und Tourismus sind untrennbar miteinander verwoben. Aber: Wohin wollen wir in Zukunft steuern? Konkrete Herausforderungen und wichtige Stellschrauben für Destinationen haben wir in unseren acht Prinzipien für Mobilität und Tourismus für Sie zusammengefasst.

dwif Zahl der Woche: 8 Prinzipien für (nachhaltige) Mobilität und Tourismus(Bild: freepik)

Die Fortbewegung von A nach B ist von jeher ein zentraler Bestandteil des Tourismus, doch heute gehört Reisen zu den individuellen Grundbedürfnissen. Angesichts des aktuellen gesellschaftlichen Wandels, umweltpolitischer Herausforderungen, steigender Gästezahlen, geringerer Aufenthaltsdauern, immer mehr und immer weiter entfernter Reiseziele und neuer Mobilitätsanbieter muss touristische Mobilität jedoch unter anderen Vorzeichen diskutiert werden.

So sind es touristische Verkehre im Deutschlandtourismus, die für drei Viertel der durch den Tourismus induzierten CO2-Emissionen verantwortlich zeichnen (Mehr darüber erfahren.). Mobilität stellt somit die zentrale Stellschraube für mehr Klimaschutz im Tourismussektor dar.

 

 

Unsere acht Prinzipien für Mobilität und Tourismus

(1) Nutzen kommunizieren und einbinden

Das gilt in alle Richtungen.

  • Dem Gast emotional und mit erlebbaren Mehrwerten vermitteln, dass Alternativen zur PKW-Anreise und zum Autofahren vor Ort mehr Erholung, attraktivere Routenführungen, bequemere Zielerreichung, weniger Kosten und ein mehr an Umwelt- und Naturschutz bedeuten.
  • Dabei die Einheimischen im Blick behalten und den Nutzen und den stabilisierenden Beitrag des Tourismus zum Erhalt und Ausbau des öffentlichen Verkehrs und damit zur Daseinsvorsorge kommunizieren.
  • Der Politik aufzeigen, dass mehr nachhaltige Mobilität zwar nicht zum Nulltarif zu haben ist, gemeinschaftlich mit touristischen Akteur*innen, Verkehrsunternehmen, Einzelhandel und weiteren Partner*innen gerade der ÖPNV in der Fläche wieder attraktiver und finanzierbar gemacht werden kann. Und somit auch wichtige Klimaziele zu erreichen sind.
  • Verkehrsunternehmen aktiv in die Lösungsfindung einbinden und sich als ernstzunehmender sowie längerfristige(r) Partner*in mit gemeinsamen Interessen bei den Herausforderungen der Zukunft empfehlen.

 

(2) Glaubwürdigkeit bewahren

Die eigene Positionierung sollte mit Blick auf Aktivitäten im Bereich nachhaltige Mobilität eine entscheidende Rolle spielen. Welche Angebote passen zu meiner Region? Und welche nicht? Was erwarten meine Gäste?

Wann muss ich aktiv werden, um meine Glaubwürdigkeit zu bewahren? Gerade Destinationen mit einem Selbstverständnis als Naturregion oder Erholungsort sollten dieses Versprechen den Gästen gegenüber auch einhalten. Und dies nicht nur momentan, sondern auch mittel- und langfristig. Hier ist es nie zu früh, um die notwendigen Schritte einzuleiten.

 

(3) Allianzen schmieden

Das bedeutet vor allem alle relevanten Akteur*innen an einen Tisch bringen. Dabei müssen die unterschiedlichen Motivationen ehrlich ausgetauscht, die jeweiligen Bedarfe und Rahmenbedingungen wahrgenommen und im Sinne einer gemeinsamen Zielrichtung mit einander abgeglichen werden.

Touristiker*innen sehen Gästebedürfnisse im Vordergrund, Bürgermeister*innen den Schüler*innenverkehr und Haushaltsrestriktionen, regionale Verkehrsunternehmen müssen ihren Fahrplan und ihre Fahrzeugdisposition mit übergeordneten länder- und bundesweiten Verkehrsplanungen abstimmen. Entscheidend kann sein, zunächst mit den Willigen voranzugehen. Mittelfristig ist die Schaffung einer Koordinierungs- und Kümmererstelle der Schlüssel zum längerfristigen Erfolg.

 

(4) „ÖPNV first“ Denken

„ÖPNV first“ steht für das notwendige Umprogrammieren im Kopf der Touristiker*innen und Leistungsträger*innen, aber auch in der übrigen Wirtschaft (Stichwort Einzelhandel, Dienstleister). Es beginnt in der Kommunikation, wo Informationen zur Anreise für Gäste per Bus, Bahn, Rad und zu Fuß automatisch nach vorne gestellt werden.

Die Kernaufgabe liegt bei der Produktentwicklung, wo die nachhaltige An- und Abreise selbstverständlicher und möglichst inkludiert buchbarer Produktbestandteil sein sollte. Und schließlich geht es auch um PKW-Anreise erschwerende Maßnahmen sowie das sorgfältige Abwägen und die richtige Mischung zwischen diesen und den Angebotsverbesserungen der Verkehrsmittel des Umweltverbundes. Das erfordert Fingerspitzengefühl.

 

Tourismusmobilitaet dwif Prinzipien

 

(5) Mobilität touristisch veredeln

Das Unterwegssein wird vom puren Mittel der Entfernungsüberwindung zum Reisezweck und Erlebnisbaustein mit Mehrwert. Erlebnisqualität statt Mittel zum Zweck meint dabei jegliche Form von tourismusbezogenen Services, die Mobilität anreichern oder zu einem intensiveren Erlebnis werden lassen – das reicht vom Lunchpaketangebot für Wandergäste im Bus über „virtuelle Fenstergeschichten“ per WLAN und VR Devices, die die vorbeiziehende Landschaft erlebbarer machen bis hin zur Nutzung der Reisezeit für Wellness, Yoga, Lernangebote oder einen Friseur- oder NailSpa-Termin unterwegs oder eben Erlebnismobilität, wie Segways, E-Scooter oder außergewöhnliche Seilbahnen oder Züge.

 

(6) intuitiv, bequem, intermodal

Beim Gast kommt an, was einfach und bequem ist. Das heiß im Idealfall ein Tarif, abgestimmte Takte, alles auf einer Plattform, informativ auf das Wesentliche beschränkt und verlässlich von A nach B und gerne wieder von C nach A zurück. Klassische ÖPNV-Fahrpläne, Tarifgrenzen in einem Reisegebiet, nicht-vernetzte Informations- und Datensilos und überlange Wartezeiten beim Umsteigen sowie unpassende Taktung bezogen auf Öffnungszeiten von Freizeiteinrichtungen oder Veranstaltungen, sind out. Das bedeutet viel Abstimmungs- und Feinarbeit!

 

(7) Gästemobilität solidarisch finanzieren

Egal welchen Weg Destinationen zur fahrscheinlosen Gästemobilität nehmen, Ziel ist eine einheitliche und transparente Finanzierung. Dabei steht nicht nur der eigene Nutzen im Vordergrund. Denn jeder profitiert, wenn die Region insgesamt gewinnt. Also: Möglichkeiten der kostenlosen Vor-Ort-Mobilität für die eigene Region auslotsen.

 

(8) Alle Finanzierungsquellen im Blick haben

Bei der Umsetzung sei es eines Mobilitätskonzeptes, von einzelnen Angeboten im Bereich sanfte Mobilität oder der Einführung eines Mobilitätsmanagement, das Credo lautet: am besten Schritt für Schritt vorgehen und dabei stets die laufenden Kosten im Blick haben. Dabei reicht es nicht aus für die nötige Finanzierung auf mögliche Fördertopfe zu hoffen, sondern alle möglichen Finanzierungsquellen – von der Umlage über die Förderung bis hin zu neuen Formen wie Crowdfunding – in Erwägung zu ziehen und miteinander zu kombinieren.

Nachhaltige Mobilität gibt es nicht zum Nulltarif und möglichst viele Profiteure, auch die Privatwirtschaft und nicht-touristische Bereiche gehören in den Kreis der Finanziers.

 

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